Zernien

Zernien gehört mit seinen rund 1600 Einwohnern zu den größten Modelldörfern in der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal.

Zernien liegt im westlichsten Zipfel des Landkreises Lüchow-Dannenberg und grenzt an den Landkreis Uelzen. Es ist das Dorf mit der einzigen ernst zu nehmenden Erhebung im Wendland, dem so genannten Hohen Mechtin. Der 142 Meter hohe Berg ist der Mittelpunkt des Drawehner Höhenzuges, in dessen Höhen und Tiefen die 18 Dörfer der Gemeinde verteilt sind.

Das Dorf Zernien selbst war bis 1920 eher unbedeutend. Nur einige wenige Hofstellen sind auf historischen Karten verzeichnet. Das änderte sich jedoch schlagartig, als die Bahnstrecke zwischen Uelzen und Dannenberg gebaut wurde. Mit der Eröffnung der Strecke im Jahre 1924 lag Zernien plötzlich an einer wichtigen Verkehrsader – der Aufschwung begann.

Insektenhotel vor der Grundschule Zernien

Zwar ist die Eisenbahnstrecke inzwischen seit 1996 offiziell stillgelegt, doch die in gut 70 Jahren gewachsene Infrastruktur ist größtenteils erhalten geblieben. Supermarkt, Bank, Bäckerei, Handwerksbetriebe, Dienstleister und Ärzte haben sich im Gegensatz zu anderen Dörfern hier ebenso gehalten wie mehrere Gastronomiebetriebe. Auch Grundschule, Kindergarten sind noch vorhanden. Eine 18-Loch-Golfanlage, ein beheiztes Waldfreibad und zwei Tennisplätze zeugen bis heute vom Wohlstand, den die Bahnlinie dem Dorf einst brachte. Die Vielfältigkeit der Gemeinde zeigt sich auch alle zwei Jahre im April bei der Gewerbeschau Zernien, die Tausende von Besuchern anlockt.

Die einzigartige Landschaft des Drawehner Höhenzuges und die großen Waldgebiete sind ein Schatz, der auch immer wieder Feriengäste nach Zernien lockt. Nicht zuletzt deshalb hat die Gemeinde stets ein Auge auf den Umweltschutz. Windschutzhecken, Streuobstwiesen, Bienenwiesen und viele andere kleinere Projekte sind für die Zerniener wichtig. Schon Kindergarten- und Grundschulkinder werden für das Thema sensibilisiert. Viele dieser Ideen entstehen beim runden Tisch, ein regelmäßiger Treff von Bürgern und Politikern.



Der Weg zum Bioenergiedorf

Im Jahre 2011 gründeten acht Landwirte die „Biogas Zernien GmbH & Co. KG“ als zweites Standbein für ihre Betriebe. Ein Grund dafür war, dass es immer schwieriger wird, bei der zunehmenden Trockenheit Ackerbau zu betreiben. In der Gemarkung um Zernien werden überwiegend Kartoffeln angebaut. Der Mais als klassische Energiepflanze ist eher anspruchslos und kommt mit Trockenheit besser zurecht als andere Pflanzen. Verteilt auf die Flächen der acht Landwirte konnten aber große Monokulturen vermieden werden.

Zwei Jahre später kam die Idee auf, ein Wärmenetz zu bauen. Die acht Firmeninhaber machten viel Werbung im Ort und trafen sich schließlich mit knapp 100 Bürgern in einem Café, um ihr Projekt vorzustellen. Die Idee: Die Wärmenutzer geben einen Startkredit, den sie später abheizen können. 60 Zerniener sagte sofort ja. Das war der Start des ersten Wärmenetzes, ein Jahr später folgte das zweite. Die Gemeinde unterstützte die Landwirte bei ihrem Vorhaben. Heute werden die Schule, der Kindergarten und das Waldbad mit Bioenergie geheizt – Posten, die sich im Etat der Gemeinde deutlich positiv bemerkbar machen. Auch andere Gewerbebetriebe profitieren inzwischen von der günstigen Wärme.


Zernien und der Naturschutz

Streuobstwiese mit Blühstreifen

Wie die Quickborner setzen sich die Zerniener auf vielfältige Weise für den Umweltschutz ein. Auch die Landwirte der Biogasanlage ziehen an dem gleichen Strang, denn sie wollen sichtbar machen, das Bioenergie und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Während der Gewerbeschau 2014 säten sie auf dem Acker vor der Biogasanlage unter den wachsamen Augen der Zuschauer einen großen Blühstreifen. Unter dem Motto „Vielfalt ins Feld“ entstehen so an vielen Stellen der Gemeinde immer wieder Flächen, die vielen Insekten und Tieren Nahrung und Schutz bieten.

Wildstaudenkultur

Die „Biogas Zernien“ machte aber noch mehr: Die Landwirte stellten mehrere Flächen mit insgesamt drei Hektar zur Verfügung, um eine Mischung von heimischen Stauden und einjährigen Blühpflanzen anzubauen, die bundesweit erstmalig in Zernien getestet wurden. Die Wildstaudenkultur mit rund zwei Dutzend ein- und mehrjährigen Pflanzenarten kombiniert Energieertrag mit hohem ökologischen Nutzen. Die lange Blühsaison der verschiedenen Arten hilft Bienen und anderen Insekten, bis in den Spätsommer hinein Pollen und Nektar zu finden und bietet damit auch Feldvögeln Nahrung. Eine der Flächen soll für Testzwecke weiter erhalten bleiben.

Für das Gesamtengagement der Zerniener in Sachen Naturschutz hat der Ort den Titel „Modelldorf für Bioenergie und Naturschutz“ bekommen.

Text & Fotos: Claudia Wesch

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen