Langendorf

In Langendorf ist der Name Programm: Mit seinen gut drei Kilometern ist es das längste Straßendorf im Wendland.

Langendorf liegt östlich von Dannenberg, gegenüber von Dömitz, und grenzt im Osten mit der Elbe an Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bis 1989 war es quasi ein Grenzwächter im geteilten Deutschland. 700 Einwohner leben hier in sieben Ortsteilen, die in zwei Fällen zu einer gemeinsamen Ortslage zusammengewachsen sind. Mit rund 500 Einwohnern leben die meisten jedoch im Kerndorf. Überregional bekannt wurde der Ort vor allem durch das Langendorfer Mandolinenorchester, das Pastor Eberhard Malitius 1973 gründete.

Langendorf selbst wird namentlich erstmals 1318 als Langhendorp erwähnt. Man geht davon aus, dass das Dorf gleichzeitig mit der Kirche entstanden ist. Die Kurhannoversche Landesaufnahme von 1776 zeigt eine Bebauung beidseitig der Kirche und des Pfarrhauses mit jeweils etwa zehn Hofstellen. Bis 1928 war es selbständige Einzelgemeinde, bevor es mit Kacherien und Brandleben zur Gemeinde Langendorf zusammengelegt wurde. Weil Langendorf nach dem 30-jährigen Krieg nur langsam wieder aufgebaut wurde, sind hier noch viele alte Zweiständer-Hallenhäuser erhalten, die alle unter Denkmalschutz stehen. Eines der ältesten Bauernhäuser im Wendland, das so genannte Ohm’sche Haus aus dem Jahre 1656, wurde sogar 1971 Stein für Stein abgetragen und in Dannenberg wieder aufgebaut.

Langendorf liegt teilweise im Naturpark Elbhöhen-Wendland sowie größtenteils im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Große Waldbestände umgeben das Straßendorf, das sich zur einen Seite in das idyllische Elbvorland öffnet. Hier grasen die Kühe noch offen in der Landschaft und verschlungene kleine Wege führen durch die geschützte Natur des Biosphärenreservates. Auch der Elberadweg führt durch Langendorf, was regelmäßig Touristen in den Ort lockt. Eine weitere Attraktion für die Besucher sind die Überreste der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Dömitzer Eisenbahnbrücke. Der Anblick des intakten Brückenteiles, das ins Nirgendwo führt, wirkt als Mahnmal gegen den Krieg.



Der Weg zum Bioenergiedorf

Langendorf war früher landwirtschaftlich geprägt. Wegen des sandigen Geestbodens gab es vor allem Milchviehbetriebe, weshalb das Dorf auch jahrzehntelang eine eigene Molkerei hatte. Die Ackerbauern hatten mit dem Boden zu kämpfen. Der Ertrag war eher mager und die Preise schlecht. So kam Aribert Cieply auf die Idee, eine Biogasanlage zu bauen, um die Wertschöpfung seiner Ackerflächen zu verbessern. Die „Naturgas Langendorf GbR“ ging 2007 an den Start, die Anlage nahm im November 2007 ihren Betrieb auf. Erste Gedanken, auch ein Wärmenetz zu bauen, entstanden Ende 2014. Die Resonanz bei den Bürgern war zunächst eher verhalten, doch schließlich wurden 50 Häuser angeschlossen. Zur weiteren Wärmenutzung baute Cieply noch eine Trocknungsanlage für Holz, Getreide und Futtermittel. Für die Zukunft denkt die „Naturgas Langendorf GbR“ über die Erweiterung des Gärrestlagers und über Eigenstromversorgung nach.

Im Ortsteil Laase betreibt Die „REZI Bioenergie GbR“ eine weitere Biogasanlage. Inhaber Heinz-Jürgen Reckewell und Wolfgang Zipoll arbeiten seit Jahren an einer Wärmenutzung. Doch die Nachfrage in der kleinen Gemeinde ist derzeit noch zu gering für die Investitionskosten. Deshalb soll demnächst eine Trocknungsanlage für Holzhackschnitzel oder Gärreste gebaut werden. Beide Landwirte engagieren sich auch im Umweltschutz und haben allein 2015 mehr als fünf Hektar Blühstreifen angelegt.

Mit dem Titel „Blühendes Langendorf“ bewarb sich die Gemeinde denn auch beim Ideenwettbewerb für dörfliche Energieprojekte. Zusätzlich zu den Flächen der Landwirte säten Gemeinde und Kinderspielkreis auf gemeindlichen Brachen weitere Blühstreifen. Langendorf will so ein Zeichen setzen, dass Bioenergie und Naturschutz Hand in Hand gehen können.

Text & Fotos: Claudia Wesch

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen