Ideenwettbewerb für dörfliche Energieprojekte

Förderung von dörflichen Energieprojekten in den Bioenergie-Regionen Wendland-Elbetal und Göttinger Land

Wenn es um Energieversorgung und Nachhaltigkeit geht, sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt. Denn auch in kleinen Schritten kann man gemeinsam Großes erreichen. Besonders deutlich wurde das auch beim Ideenwettbewerb "Dörfliche Energieprojekte", den die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal und ihre Partnerregion Göttinger Land im Herbst 2014 gestartet hatten.

Ziel des Ideenwettbewerbs war es, die Selbstversorgung aus erneuerbaren Energien zu steigern, die gemeinsame Initiative in den Dörfern zu stärken und die Erfolge bei der Energiewende in der Öffentlichkeit zu zeigen. Bis zum 31. Oktober 2014 konnten sich Dörfer aus den Bioenergie-Regionen Wendland-Elbetal und Göttinger Land mit ihren Ideen bewerben. 

Projektausschreibung (PDF)




Ausgezeichnete Projekte

Insgesamt haben sich Akteure aus neun Dörfern mit ihren Ideen beworben. „Wir haben Einsendungen mit vielen unterschiedlichen und spannenden Ideen bekommen“, freute sich Dorothea Angel. Ein ganzes Kaleidoskop von Ideen kam da zusammen, von Blühstreifen bis hin zu ganzen Wärmenetzen. Wegen der unterschiedlichen Ideen gibt es auch ganz unterschiedliche Preise und Unterstützung für die Dörfer. Einige Akteure stehen in den Startlöchern, andere haben ihre Projekte bereits verwirklichen können. Lesen Sie hier mehr über die einzelnen Projekte und Maßnahmen.

Thomasburg (Landkreis Lüneburg)

Thomasburg (Landkreis Lüneburg)

Überreichung Urkunde
Blink-Baken zur Verkehrsberuhigung


Projektidee/Ziel:
Verkehrsberuhigung
Maßnahmen: Blink-Baken, Banner und Flyer

Zu denjenigen, die ihr Projekt bereits verwirklichen konnten, gehört das Bioenergiedorf Thomasburg. „Achtsam vom Acker zur Anlage“ war der Titel der Aktion des Fördervereins Thomasburg, die zum Ziel hat, die Fahrer der großen Lkw zu sensibilisieren und den Verkehr im Altdorf etwas zu beruhigen. In den engen Gassen des denkmalgeschützten Altdorfes haben die großen Transporter kaum Platz, die Erschütterungen gefährden teilweise die Bausubstanz, Fußgänger und Radfahrer flüchten in die Seitenräume.

Mit zehn eigens gestalteten Blink-Baken und zwei großen Bannern sollen die Fahrer der Lkw auf die Problematik im Dorf aufmerksam gemacht werden. Zusätzlich werden kleine Flyer mit Schokoriegeln an die Fahrer verteilt. Auf den Karten ist sowohl die Aktion erklärt, als auch eine Straßenkarte abgedruckt, die zeigt, wo es besonders brenzlig ist.

Bei einer kleinen Feierstunde überreichte Landrat Manfred Nahrstedt der Vorsitzenden Claudia Scheil eine Urkunde und dankte für die vorbildliche Idee. „Ich hoffe, andere werden das nachahmen“, erklärte er und folgte damit dem Gedanken des Wettbewerbs, Prozesse in Gang zu setzen, die für andere ebenfalls realisierbar sind. Das war eines der Kriterien, die die Bewerber beachten mussten. Deshalb haben die Thomasburger die Slogans so entworfen, dass andere Bioenergiedörfer sie ebenfalls benutzen können: „Wir haben druckfähige Dateien, die wir gern kostenlos allen zur Verfügung stellen, die dieses Projekt auch in ihrem Dorf umsetzen möchten“, so Claudia Scheil. Auch Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer und Bürgermeister Dieter Schröder lobten die Aktion, die auf Kommunikation statt Polarisierung setzt.

Finanziert wurde das Material der Aktion mit 2000 Euro aus dem Wettbewerb, 500 Euro von Biogasanlagenbetreiber EnviTec, und Mitteln des Fördervereins. „Uns hat in der Jury neben dem durchdachten und gut vorbereiteten Bewerbungskonzept der Thomasburger vor allem die Handfestigkeit der Aktion überzeugt. Die Öffentlichkeitsarbeit mit konkreten verkehrsberuhigenden Maßnahmen zu verbinden, finden wir außergewöhnlich und bemerkenswert. Die Gestaltung der Aktion mit den erarbeiteten Slogans soll daher als Vorbild an andere Bioenergiedörfer weitergetragen werden “, so Dorothea Angel, Regionalmanagerin der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal.

Text und Fotos: Claudia Wesch

Ellringen & Seelwig (Landkreise Lüneburg & Lüchow-Dannenberg)

Ellringen & Seelwig (Landkreise Lüneburg & Lüchow-Dannenberg)

Ortseingangsschild Seelwig
Wassermühle in Ellringen


Projektidee/Ziel:
Anerkennung als Bioenergiedorf
Maßnahmen: Energiedatenerfassung, Erstellung eines Dorfportraits, Beschilderung

Unter den Bewerbern sind auch zwei Dörfer, die mit Mitteln des Wettbewerbes auf ihrem Weg zum offiziellen Bioenergiedorf begleitet werden. Ellringen ist die Nachbargemeinde von Thomasburg und hat seit 2012 eine Biogasanlage. Ein Jahr später investierte der neue Betreiber Thomas Koch in ein Wärmenetz für Ellringen und verlegte dabei auch gleich Leerrohre für eine mögliche künftige Glasfaserversorgung im Ort.

„Wir hatten zunächst eine Infoveranstaltung im Dorf“, erinnern sich Hermann Kraake und Ulrich Schulz an die Anfänge. Der Chef des Sportvereins und der Ortsbrandmeister, der zugleich im Rat sitzt, warben eifrig für die Idee. Nicht alle waren gleich überzeugt. Heute sind rund 50 Haushalte angeschlossen.

Auch der Ellernhof, ein Tagungszentrum, das künftig von Kochs Ehefrau Christine Hamester Koch betrieben wird, bezieht seine Wärme aus der benachbarten Biogasanlage. Demnächst werden noch zwei Leitungen von der Biogasanlage zum neuen Schweinestall gelegt: Die Wärme heizt die Ställe und gleichzeitig wird die Gülle per Rohr zur Biogasanlage gebracht. „Das reduziert den Verkehr noch einmal enorm und verringert klimaschädliche Emissionen“, freuen sich Schulz und Kraake. Gleichzeitig wird auch der international bekannte Islandpferdezüchter Kronshof angeschlossen.

Das kleine Dörfchen Seelwig ist ebenfalls auf dem Weg zum Bioenergiedorf. Seelwig gehört zu Clenze und ist damit das erste Bioenergiedorf in diesem Gebiet. Hier haben die Landwirte Hanno Hirch und Christian Lühmann 2013 und 2014 ein 1070 Meter langes Wärmenetz für den Ort realisiert. Die Idee lag auf der Hand, denn Lühmann betreibt eine Schweinemast. Er nutzt die Gülle für die Anlage und die Wärme für seinen Stall. Der zweite Schritt, auch den Rest des Dorfes anzuschließen, fanden die beiden nur natürlich. „Wir haben hier kurze Wege und sind immer vor Ort“, so Lühmann. „Die besten Voraussetzungen für so etwas.“ Die beiden sind im Dorf von Tür zu Tür gegangen und haben für ihr Projekt geworben. In Seelwig gab es zuvor keine zentrale Versorgung. Die Menschen heizten mit Holz, Öl oder Gas. „Viele waren froh, jetzt eine zentrale und zuverlässige Wärme zu bekommen“, so Hirch. Den beiden ist es wichtig, das kleine Dörfchen zu fördern. „Wir wollen auch zeigen, dass es möglich ist, Landwirtschaft und Tourismus in Einklang zu bringen.“ Der günstige Preis soll die Seelwiger außerdem motivieren, ungenutzte Räume energetisch zu dämmen oder neuen Wohnraum zu schaffen, um das Dorf attraktiver zu machen. Der Reiterhof von Jochen Wittmer-Eigenbrodt ging bereits mit gutem Beispiel voran und baute mehrere kleine, dem typischen Dorfbild angepasste Ferienhäuser auf seinem Gelände.

Text und Fotos: Claudia Wesch

Höhbeck & Konau (Landkreise Lüchow-Dannenberg & Lüneburg)

Höhbeck & Konau (Landkreise Lüchow-Dannenberg & Lüneburg)

Projektidee/Ziel: Erzeugung von Kompost & Wärme aus Grün- und Holzschnitt (Kreislaufwirtschaft)
Maßnahmen: Aufbau von Biomeilern

Weitere zwei Gemeinden haben sich mit einem ganz anderen Wärmeprojekt beworben: In Höhbeck und Konau sollen Biomeiler entstehen. Eine alte und doch neue Idee, Wärme zu gewinnen.

Der Höhbeck ist bundesweit bekannt als Funkstelle, die eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat. Hier betreibt der Verein Artenreich e.V. seit kurzem den Landschaftspflegehof Höhbeck. Der 2012 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die artenreiche Kulturlandschaft des Biosphärenreservates zu erhalten und zu entwickeln – und das ganz praktisch mit alten und schonenden Methoden der Landwirtschaft. Hier kann man noch lernen, mit der Sense umzugehen, oder an Führungen und Vorträgen teilnehmen. Artenreich arbeitet in enger Kooperation mit dem NABU Hamburg, dem BUND Lüchow-Dannenberg, der Loki Schmidt Stiftung und dem Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Der Landschaftspflegehof ist derzeit Pächter von rund 15 Hektar Naturschutzflächen. „Neben Grünschnitt fällt auch viel Holzschnitt an“, erklärt Initiator Stefan Reinsch. „Das wird alles derzeit deponiert, soll aber künftig für den Biomeiler benutzt werden.“ Mit der entstehenden Wärme sollen unter anderem die Betriebsgebäude beheizt werden oder auch Außenduschen. Der fertige Kompost wird dann wieder für den Gemüseanbau verwendet.

Geplant sind Workshops zur Wiesenpflege, Arbeitseinsätze und Führungen zum Projekt. Der Verein stellt 2000 Euro Eigenmittel zur Verfügung; zur Realisierung des Projektes steuert die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal aus dem Wettbewerb weitere 2000 Euro bei.

Auch der Verein Konau 11 setzt auf Biomeiler. Ähnlich wie in Höhbeck lag auch hier der Gedanke nahe, denn der Verein hat sich auf die Pflege und den Erhalt der im Amt Neuhaus typischen Obstbaumalleen spezialisiert. Das Schnittgut sowie möglicherweise auch weiterer Grünschnitt der Gemeinde sollen hier im Biomeiler zu Wärme und Kompost umgewandelt werden. Ziel ist unter anderem zu zeigen, wie sich jeder auf seinem Gelände einen Biomeiler bauen kann. Gleichzeitig fließt das Thema in die bestehende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins ein. Damit möglichst viele Menschen davon profitieren, bietet Konau 11 den Bau des Biomeilers als Tagesworkshop an. Die Gemeinde Amt Neuhaus und die Firma SBE-Naturprodukte arbeiten für die Aktion mit dem Verein zusammen. Finanziert wird der Biomeiler mit 2000 Euro aus dem Wettbewerb, den Rest steuern die Kooperationspartner bei.

Text und Fotos: Claudia Wesch

Langendorf (Landkreis Lüchow-Dannenberg)

Langendorf (Landkreis Lüchow-Dannenberg)

Kinderspielkreis
Schatzsuche im Wald


Projektidee/Ziel:
Vielfalt der Energiepflanzen aufzeigen
Maßnahmen: Blühstreifen + Wildstauden + Aufklärungsarbeit für Kinder

Mit Bioenergie und bunter Blütenpracht hat sich Langendorf bei dem Wettbewerb beworben. Mit seinen zwei Biogasanlagen in Langendorf selbst und in Laase ist das Thema Bioenergie für die Gemeinde längst ein alter Hut. Neu ist dagegen das Wärmenetz, das seit 2014 etwa 50 Häuser mit Wärme versorgt. Mit der Aktion „Blühendes Langendorf“ wollen die Akteure zeigen, dass Bioenergie auch Vielfalt bedeutet.

„Wir haben uns an einen Tisch gesetzt und überlegt, was wir alles machen könnten“, so Bürgermeisterin Margret Deegen. Pünktlich zur Kulturellen Landpartie soll sich das Dorf in ein Blütenmeer verwandeln. Auf gemeindlichen Brachflächen sollen Blühstreifen angelegt werden, ein Landwirt beteiligt sich am Projekt Wildstauden für die Biogasanlage und steuert weitere Blühstreifen bei.

Auch die Kleinsten in Langendorf machen mit. Der Kinderspielkreis legt Beete mit Energiepflanzen an und die Kleinen lernen die Nutzung der Pflanzen kennen. „Wir machen schon seit den 90er Jahren regelmäßig Waldwochen mit unseren Kindern und jetzt können sie auch die Energiepflanzen kennen lernen“, freut sich Spielkreisleiterin Angelika Blank. „Es ist unglaublich, was Kinder aus der Natur alles lernen können.“ Von dem Preisgeld des Wettbewerbes finanzieren die Langendorfer unter anderem das Saatgut. Am 16. Mai 2015 gibt es hier einen Aktionstag, der die Ergebnisse der Arbeit zeigt, sowie naturkundliche Führungen an den Blühflächen und Besichtigungen der Biogasanlage.

Text und Fotos: Claudia Wesch

Gieboldehausen (Landkreis Göttingen)

Gieboldehausen (Landkreis Göttingen)


Projektidee/Ziel:
Wissensvermittlung über Bioenergie
Maßnahmen: Bioenergiepfad mit Informationsschildern

In der Zwillingsbioenergie-Region Göttinger Land hat sich die Gemeinde Gieboldehausen am Wettbewerb beteiligt. Hier geht es vor allem darum, zu informieren und den Nutzen von Bioenergie sichtbar zu machen. Betreiber Mario Sommer will einen Bioenergiepfad anlegen, der ähnlich einem Naturlehrpfad Wissenswertes über Bioenergie vermittelt. Die BGA-Betreiber entwerfen Informationsschilder, die an der Biogasanlage, am Radweg – wo bereits zwei Schilder zu den von der Bioenergie-Region geförderten Wildpflanzenflächen für die Biogasanlage stehen – und an den zwei BHKW im Ort angebracht werden sollen, von denen aus Wärme zu öffentlichen Gebäuden und privaten Haushalten geführt wird. Die Biogasanlage im Göttinger Land wird gern von Besuchergruppen und Schulklassen besucht.

Text und Fotos: Claudia Wesch

Partner & Organisationen

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen