Blühstreifen

Lebensraum für viele Arten

Bei der Anlage von Blühstreifen spielen der Erholungswert und die Schönheit einer abwechslungsreichen Landschaft für die Bevölkerung, für Gäste und Touristen eine wichtige Rolle, aber eben auch der Naturschutz. Insbesondere die Mindestbreite und der Standort der Blühstreifen bestimmen den tatsächlichen Nutzen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Aber auch die Samenmischung ist von Bedeutung.

Im Frühling 2011 entstand die Idee zum Projekt „Blühstreifen“ im Rahmen eines Treffens des Biogas-Stammtisches, bei dem sich Landwirte, Anlagenbetreiber und Naturschützer über die neusten Entwicklungen ihrer Branche austauschen. Das Interesse war groß und ebenso die Bereitschaft der Landwirte, sich für den Tier- und Pflanzenschutz zu engagieren.

Fachleute vom Naturschutz erarbeiteten Empfehlungen, wie die Blühstreifen angelegt werden sollten und entwickelten eine Saatgutmischung eigens für die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal. Noch im selben Jahr wurden 1800 ha Ackerland in den Landkreisen Lüchow-Danneberg und Lüneburg mit den Blühstreifen bestellt. In der 3. Saison wurde die Saatgutmischung noch einmal verbessert und enthält nun mehr auffällig blühende Arten und wächst nicht so hoch und dicht, um insbesondere den gefährdeten Feldvögeln aber auch anderen Licht liebenden Pflanzen und Tieren der Feldflur, einen passendem Lebensraum zu bieten.

Die Betreiber der Biogasanlagen haben mehrfach einen regionalen Preis ihres Fachverbands für die deutschlandweit größten Blühflächen an Energiepflanzenfeldern verliehen bekomm

Weitere Informationen über Blühstreifen (bitte hier klicken)

Weitere Informationen über Blühstreifen (bitte hier klicken)

Das Anlegen der farbenfrohen Blühstreifen wird über das Niedersächsische Agrarumweltprogramm (NAU) honoriert, und so haben sich viele Landwirte im Nordosten Niedersachsens entschlossen, an der Maßnahme teilzunehmen. In diesem Jahr sind 1800 Hektar Ackerland in den Landkreisen Lüchow-Dannenberg und Lüneburg mit Blühstreifen bestellt worden (niedersachsenweit 10.400 Hektar, davon 702 Hektar in Lüchow-Dannenberg). In unterschiedlichen Mischungsverhältnissen sind aus vom Landwirtschaftsministerium vorgegebenen Artenlisten, z. B. Sonnenblumen, Ölrettich, Gelbsenf, Ringelblume, Malven, Buchweizen und Hafer ausgesät worden - meistens als bis zu 24 Meter breite Streifen am Rand von Getreidefeldern oder besonders häufig angrenzend an Maisschlägen. Manchmal sind auch kleine Flächen ganz mit den Blütenmischungen eingesät worden oder es sind am Rand von Stilllegungsflächen Blühstreifen angelegt worden. Da sich in Stilllegungsflächen eher einmal seltenere Tier- und Pflanzenarten wie Wespenspinnen und Sand-Strohblume entwickeln, wird von Naturschutzseite die Einsaat von Blühstreifen an diesen Standorten nicht empfohlen, zumal sich in den gängigen Blühstreifenmischungen vor allem häufigere Arten einfinden, wie verschiedene Arten des Kohlweißlings, und nur wenige seltenere Arten.

Einige Biogasanlagenbetreiber in der Modellregion haben sich im Vorfrühling 2011 beim Biogasstammtisch über die Bedeutung von Blühstreifen für die Tier- und Pflanzenwelt informiert.  Die Bioenergie-Region hat in Kooperation mit Fachleuten vom Naturschutz Empfehlungen ausgearbeitet, wie die Blühstreifen angelegt werden sollten, um Kleintieren, Vögeln und Insekten tatsächlich einen guten Lebensraum zu bieten.
Spontan ist daraufhin die Idee entstanden, eine eigene Spezialmischung für die Modellregion Wendland-Elbetal zu kreieren, um den Ackervögeln zu helfen. Insgesamt sind 750 Kilogramm der etwas teureren Mischung „Biogas“, ausreichend für bis zu 30 Hektar Ackerland, geordert worden. In dieser von Ornithologen empfohlenen Mischung ist der Anteil großblättriger Blühstreifenarten wie Sonnenblumen und Ölrettich reduziert worden, damit die Bestände nicht zu dicht aufwachsen und noch Sonnenlicht und damit Wärme an den Boden kommen. Ein Vorteil z. B. für den europaweit seltenen Ortolan, der nur noch in Nordostniedersachsen in größeren Anzahlen vorkommt und den man als eine Flora-Fauna-Habitat-Art in mehreren Vogelschutzgebieten, z. B. im Bereich der Lucie und des Drawehn fördern möchte. Dieser kleine Singvogel legt wie alle anderen Ackervögel sein Nest am Boden an und sucht seine Nahrung, Insekten, gerne in lockeren Pflanzenbeständen.
Besonders bei zeitiger Anlage in der ersten Aprilhälfte können Blühstreifen wichtige Lebensräume für Insekten und Ackerwildkräuter darstellen. Da sich neben Spinnen auch Schwebfliegen, Hummeln, Heuschrecken und Falter sehr schnell in großer Anzahl einfinden, finden unsere Ackervögel wie Schafstelze, Ortolan und Rebhuhn gerade in der Zeit der Kükenaufzucht einen reich gedeckten Tisch vor. Schließlich finden Bienen, wichtige Bestäuber in der Agrarlandschaft, ganzjährig Pollen und Nektar in den Flächen. Entlang von Gewässern, Waldrändern, Hecken und Wegen stellen Blühstreifen außerdem wichtige Strukturen dar, die häufig sogar bis ins Frühjahr stehen bleiben dürfen und dann noch wichtige Rückzugsbereiche für Rehe und Hasen sind. Oft kann man daher in den Wintermonaten große Vogelschwärme von Finkenvögeln beobachten, die in den abgeblühten Blühstreifen nach nahrhaften Saaten suchen.
Aufgrund der extremen Frühjahrstrockenheit in diesem Jahr konnten sich Blühstreifen auf nährstoffärmeren Standorten in diesem Jahr leider nicht optimal entwickeln. Mancherorts haben sich zudem Problemarten wie Knöterich und Gänsefuß breit gemacht. Und, wie schon erwähnt, nicht immer ist der Standort optimal, Blühstreifen sollten keine Stilllegungsflächen ersetzen.
Nichtsdestotrotz: aus ästhetischer wie aus naturschutzfachlicher Sicht ist zu wünschen, dass Landwirte sich in Zukunft weiterhin für Blühstreifen entscheiden mögen. Sie tragen damit aktiv zu einer vielfältigeren und artenreicheren Agrarlandschaft bei. Bewohner und Besucher der Region werden sich Dank einiger selbst gepflückten Blumen in der Vase Zuhause auch noch einmal gerne an eine Tour durch die Feldmark erinnern.

Fotos: Wintererbse (H. Kelm)
Biogas-Saatgut (K. Mayhack)

Partner & Organisationen

Downloads

Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen