Volkfien

Das Bioenergie-Modelldorf Volkfien liegt etwa 8 km südwestlich von Dannenberg im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Es besteht aus  22 Wohngebäuden, in denen derzeit 71 Volkfiener Bürger leben. Gegründet wurde das beschauliche Dorf als Rundling. Der Rundlingsplatz ist auch heute noch vorhanden. Er dient den Bürgern als Treffpunkt und wird gerne für gemeinschaftliche Veranstaltungen genutzt.

Ursprünglich war das Dorf landwirtschaftlich geprägt. Heute ist der einzige Landwirt, der noch im Vollerwerb wirtschaftet zugleich auch Teilhaber der örtlichen Biogasanlage. Die übrigen Erwerbstätigen gehen ihrer Arbeit zumeist in den nahen Städten nach.

Für ein Dorf dieser Größe kann Volkfien eine erstaunliche Infrastruktur aufweisen. So gibt es zum Beispiel Internet (DSL, mit für ein Dorf unüblichen 3000-6000 Mbit/s), Kindergarten und Grundschule (in dem nur 2 km entfernten Breselenz) und nicht zuletzt ein von der Biogasanlage gespeistes Nahwärmenetz, über das 20 von 22 Wohngebäuden mit kostengünstiger Wärme versorgt werden.

Die Kombination aus guter Infrastruktur und malerischer Lage macht Volkfien zu einem begehrten Wohnort. Wer sich in das Dörfchen verliebt hat und darauf hofft, einmal hierher ziehen zu können, benötigt deshalb Ausdauer und eine gute Portion Glück.

Fotos: Christian Nowak

Ein Dorf, eine Vision, ein Verein: „Bioenergiedorf Volkfien e.V.”

Als die Biogasanlage im Jahr 2005 ihren Betrieb aufnahm, wurde die bei der Stromproduktion anfallende Wärme noch über Kühlsysteme in die Atmosphäre entlassen. Das hier brachliegende energetische Potential wurde immer wieder zum Thema, wenn sich die Nachbarn untereinander trafen. So entstand die Idee, die Wärmeversorung des Dorfes durch ein Nahwärmenetz zu verwirklichen.

Um die Betreiber der BGA bei der Realisierung dieses Projektes zu unterstützen, wurde der Verein „Bioenergiedorf Volkfien e.V.” gegründet. Dieser kümmerte sich in der Planungsphase darum, die Anwohner zu informieren, sich mit kritischen Stimmen und Bedenken auseinanderzusetzen und bei den Menschen ein Bewusstsein für die sich eröffnende Chance zu schaffen. Das Resultat dieser Arbeit ist die bemerkenswert hohe Anschlussquote von über 90% aller Wohngebäude.

Mit der Fertigstellung des Nahwärmenetzes im Dezember 2008 übernahm der Verein – treuhänderisch für den Anlagenbetreiber – die Aufgabe, die Zählerstände in den Haushalten abzulesen, Rechnungen zu schreiben und die Gebühren zu vereinnahmen. Dies hilft, Kosten für Bürokratie zu vermeiden, die anderenfalls auf den Energiepreis aufgeschlagen werden müssten.

Jeder Energieabnehmer ist zugleich auch Vereinsmitglied und hat hierüber die Möglichkeit, Einfluss auf die Geschicke des Vereines zu nehmen. Dieses Verhältnis schafft Vertrauen, wenn es um so elementare Dinge wie die Energieversorgung geht.

Der Weg zum Bioenergiedorf

Bereits vor dem Bau der Biogasanlage und der Realisierung des dorfweiten Nahwärmenetzes gab es Anzeichen dafür, dass sich Volkfien auf dem Weg zum Bioenergiedorf befindet. Zahlreiche private Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Anwohner zeugen von diesem Prozess, der auch durch die im Wendland weit verbreitete Ablehnung der Kernenergie befeuert wird.

Im März 2010 formulierte der Bioenergiedorf Volkfien e.V. ein Konzeptpapier, das zukünftige Schritte des Dorfes auf diesem Weg skizziert. Dieses Konzeptpapier wurde von der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal prämiert. Das damit verbundene Preisgeld soll für die Planung und sukzessive Umsetzung der beschriebenen Vorhaben genutzt werden.

Ginge es nach den Vorstellungen der Akteure vor Ort, könnten in nicht allzu ferner Zukunft einige sehr interessante Projekte verwirklicht werden, z.B.:

  • Die Konzeption einer gemeinschaftlichen Belegung aller für Photovoltaik geeigneten Dachflächen, durch den Verein betrieben.
  • Die Realisierung eines gemeinschaftlichen E-Fahrzeug Pools.
  • Die Versorgung des Ortes mit regional erzeugter Elektrizität (Leerrohre wurden beim Bau des Wärmenetzes bereits vorausschauend mit verlegt).
  • Wärmeversorgung der Nachbarortschaften mit biogasbetriebenen BHKWs.

Natürlich gehen die Überlegungen im Verein weiter, ob nicht auch noch andere regenerative Energiequellen genutzt werden sollten. Eine hochmoderne Lösung mit auf einzelnen Gebäuden dezentral angebrachten kleineren Windrotoren in Zylinderform ist eine der Optionen.

Die Volkfiener bleiben aufgeweckt und aktiv.

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen