Seelwig

Das Örtchen Seelwig ist mit seinen rund 30 Einwohnern das kleinste Modelldorf für Bioenergie in der ganzen Bioenergie-Region Wendland-Elbetal.

Seelwig gehört zur Gemeinde Clenze und liegt gut 15 Kilometer östlich von der Kreisstadt Lüchow. Hier kennt sich noch jeder mit Vornamen und Hühner laufen gemütlich über die ruhige Dorfstraße. Wer sich historische Karten ansieht, kann gerade eben noch einen rudimentären Rundling erkennen. Heute ist davon aber kaum noch etwas zu sehen. Nur die ersten beiden großen Höfe liegen noch an dem einstmaligen Dorfplatz. Die großen Bauernhäuser Seelwigs weisen auf eine Jahrhunderte währende landwirtschaftliche Tradition hin. Die älteste urkundliche Erwähnung des Ortes wird auf 1330 datiert.

Inmitten der weiten Natur des Wendlandes ist Seelwig mit seinem ebenso kleinen Nachbarort Beseland wie eine Insel im Grünen. Das Dorf ist nie größer geworden: Sowohl 1823 als auch 1939 verzeichnete man hier 43 Einwohner.
Überregionale Bekanntheit hat Seelwig bislang nur durch den Reiterhof der Familie Wittmar-Eigenbrodt, der alljährlich viele Pferdefreunde in das kleine Dorf zieht. Der große Hof mit seinen schmucken kleinen Ferienhäusern bildet heute den Dorfmittelpunkt. Es ist ein bisschen so, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Trotzdem ist Seelwig seiner Zeit voraus: Es hat ein Nahwärmenetz, das die Häuser mit preiswerter Bioenergie versorgt.



Der Weg zum Bioenergiedorf

Wer von Clenze aus nach Seelwig kommt, wird rund 500 Meter vor dem Ort von den drei Kuppeln der Biogasanlage der Familien Lühmann und Hirch begrüßt. Als Christian Lühmann den Schweinemastbetrieb 2001 kaufte, existierte die Anlage noch nicht. Damals steckte die Bioenergie selbst im Wendland noch in den Kinderschuhen. Zehn Jahre später sah das schon ganz anders aus. Mit dem eigenen Schweinemastbetrieb lag der Bau einer Biogasanlage quasi auf der Hand und gemeinsam mit Hanno Hirch gründete die Familie Lühmann 2010 die Drawehner Biogas GmbH und Co.KG. Schnell entstand die Idee, ein Wärmenetz für den kleinen Ort zu realisieren. So kleine Netze sind meist kaum wirtschaftlich, doch Lühmann und Hirch wollten etwas für den Ort tun und letztlich die touristische Entwicklung fördern. Ihre Idee: Günstige Wärme könnte dafür sorgen, dass die großen Bauernhäuser gut beheizt werden und noch Geld für den Bau von Ferienwohnungen übrig bleibt.

Die beiden Landwirte gingen von Tür zu Tür, stellten ihr Projekt vor und sammelten Energieverbrauchsdaten. 2013 und 2014 entstand dann das 1070 Meter lange Wärmenetz, an das fast alle Häuser angeschlossen wurden. Die Kosten für den Bau des Netzes einschließlich der Hausübergabestellen trugen Hirch und Lühmann selbst.

Im Rahmen des Ideenwettbewerbes Dörfliche Energieprojekte der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal wurde für Seelwig der Status als Bioenergiedorf festgestellt. Wie viele andere Dörfer auch erhielt es im Sommer 2015 das offizielle Ortsschild „Modelldorf für Bioenergie“.

Text & Fotos: Claudia Wesch

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen