Quickborn

Das Dorf Quickborn gehört zur Gemeinde Gusborn, die etwa 7 km östlich von Dannenberg liegt. Mit seinen rund 500 Einwohnern ist Quickborn der größte Ortsteil der aus sechs Dörfern bestehenden Gemeinde.

Für Besucher ist Quickborn gleich doppelt eine Reise wert: Die nahe liegende Elbe und die großen Waldgebiete der Samtgemeinde Elbtalaue laden dazu ein, Hirsche und Kraniche in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten, und auch das Dorf selbst verzaubert mit einer sehr gut erhaltenen historischen Bausubstanz rund um eine alte Kirche.

Früher hatte Quickborn eine Schule und einen Kindergarten – sogar ein eigenes Standesamt gab es hier. Doch auch heute ist das Dorfleben geprägt von Vielfältigkeit: Mit regen Vereinen und einer gesunden Altersstruktur dank einiger kleiner Neubaugebiete.

Über die Grenzen des Landkreises hinweg bekannt ist das Dorf vor allem durch die Wiesenfete. Seit 17 Jahren ist das Event die Party im Wendland, die Tausende von Besuchern anzieht. Dafür haben die Quickborner eigens einen Verein gegründet.



Der Weg zum Bioenergiedorf

Wie die meisten Orte in der Samtgemeinde Elbtalaue ist auch Quickborn geprägt von landwirtschaftlichen Betrieben. Was die Bioenergie angeht, hat das Dorf seine ganz eigene Geschichte: In den 80er Jahren wurden hier sieben Biogasanlagen zu Testzwecken gebaut. Dieses Pilotprojekt, das von der Bundesregierung gefördert wurde, war zur Technologieerprobung gedacht: Die Anlagen sollten erstmals nur mit Gülle betrieben werden und Mikrogasnetze beliefern. Der Versuch schlug jedoch fehl.

Diese Geschichte hatte sich dem sechsjährigen Martin Schulz eingebrannt. Als der Landwirtssohn den Hof von seinem Vater erbte und zum Neulandhof mit artgerechter Tierhaltung umorganisierte, behielt er das Thema im Hinterkopf. Nach etlichen Lehrgängen und Weiterbildung begann er 2003 mit dem Bau einer Biogasanlage, die gleich von Anfang an auch für die Nahwärmenutzung gedacht war und 2004 fertig wurde. Er betreibt das Wärmenetz gemeinsam mit Jörg Deward.

Die Quickborner zeigten sich eingedenk der Erfahrungen aus den 80er Jahren zunächst skeptisch. So musste Martin Schulz viel Überzeugungsarbeit leisten und beweisen, dass es möglich ist, 20 Prozent der Wärmeenergie und 40 Prozent der Kosten zu sparen.

Im Jahre 2009 begann er mit dem Bau des vier Kilometer langen Nahwärmenetzes. Doppelt abgesichert über eine Holzhackschnitzelheizung, einen Gaskessel und einen Pufferspeicher, damit niemand mehr eine eigene Heizung braucht. Zunächst wurden nur etwa 60 Haushalte im Altdorf angeschlossen, aber dann wuchs die Nachfrage beständig. 2010 versorgte die Biogasanlage 70 Haushalte, fünf Jahre später sind es bereits mehr als doppelt so viele. Damit sind etwa zweidrittel aller Häuser in Quickborn an das jetzt sieben Kilometer lange Nahwärmenetz angeschlossen. Die Biogasanlage würde noch einige wenige Neuanschlüsse hergeben.

Versuche, die Abwärme der zweiten Biogasanlage in Quickborn zu übernehmen, scheiterten bislang. Sie wird von Landwirt Hartwig Busse im Auftrag eines Investors betrieben. Busse nutzt nur einen kleinen Teil der Wärme für sein Wohnhaus und die Ställe.

Die große Aufgabe in Zukunft wird es für Deward und Schulz sein, technische Lösungen für die Regelenergie zu finden, zu testen und zu optimieren.

Quickborn und der Naturschutz

Für Martin Schulz ist Landwirtschaft eng verbunden mit der Verantwortung für die Natur. Er ist einer der Landwirte in der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal, die spezielle Wildstaudenkulturen als alternative Energiepflanzen testen. Mit den Wildpflanzen sollten nicht nur neue Lebensräume entstehen, die Insekten Nahrung und Vögeln und anderen Tieren Schutz bieten können; gleichzeitig sollten die Kulturen auch einen möglichst hohen Energieertrag bringen, um als echte Alternative zum Mais durchzugehen. Die Praxisflächen sind sehr unterschiedlich aufgewachsen, doch Schulz will weiter experimentieren. In der Biogasanlage können sie allerdings frühestens 2016 verwendet werden, weil die Kulturen zwei Jahre brauchen, um richtig Fuß zu fassen.

Ein zweites von Schulz initiiertes Naturschutzprojekt unterstützt die Watvögel in der Region. In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr Feuchtwiesen entwässert, damit die Bauern das Heu früher mähen konnten. Das führte dazu, dass Kiebitz und Co immer weniger Lebensräume fanden. Deshalb wurde eine etwa eineinhalb Hektar große Wiese im Winter 2014 durch den Einbau eines Bohlenstaus wiedervernässt. Bereits im darauf folgenden Frühjahr hatten sich wieder erste Kiebitze hier angesiedelt. Nicht zuletzt wegen dieser beiden Projekte bekam Quickborn den Titel des „Modelldorfes für Bioenergie und Naturschutz“.

Text: Claudia Wesch
Fotos: Christian Nowak

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Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen