Jameln

Die Gemeinde Jameln liegt mitten im Herzen des Landkreises Lüchow-Dannenberg, nur etwa 11 km von der Kreisstadt Lüchow entfernt. Sie besteht aus zehn Dörfern und hat insgesamt rund 1.100 Einwohner.

Jameln selbst zeichnet sich durch einen gut erhaltenen Rundling mit Dorfplatz und Rundlingsstraße aus. Fußball wurde hier immer schon großgeschrieben, und während in manchem Rundling der Dorfplatz eingezäunt ist, wird er in Jameln als Bolzplatz genutzt.

Im Ortsteil Breese im Bruche steht die von Otto Grote 1592 erbaute Gutskapelle, die heute noch im Besitz der Familie ist. Kreisweit bekannt ist die Gemeinde für ihre beiden Karnevalsfeste in Breselenz und Jameln. Auch das Flachsfest in der Kraulschen Scheune zieht immer wieder Besucher von weit her an. Überregionale Bekanntheit erlangte das Dorf 2006, als hier die erste Biogas-Tankstelle Deutschland eröffnet wurde.



Der Weg zum Bioenergie-Dorf

Obwohl die Wendländer wegen des Atomlagers Gorleben schon sehr sensibilisiert für das Thema der alternativen Energieversorgung sind, dachten die Jamelner anfangs nicht an ein Bioenergiedorf. Zunächst baute die Raiffeisen Warengenossenschaft Jameln 2005 eine Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk (BHKW), um neue wirtschaftliche Perspektiven für die Landwirtschaft in der Region zu erschließen.

Den Gedankenanstoß zu dem Projekt Biogastankstelle gab damals der  Verein "Region Aktiv Wendland/Elbetal", der sich der Regionalentwicklung verschrieben hat – unter anderem durch den Ausbau von erneuerbaren Energien. Um das anspruchsvolle Pilotprojekt zu realisieren, holte sich die Raiffeisengenossenschaft Jameln Partner vom Volkswagenkonzern und der E.ON-Avacon mit ins Boot. Viele technische Probleme mussten gelöst werden, um das Biogas zu Kraftstoff mit Erdgasqualität aufzubereiten, doch am 22. Juni 2006 wurde die Biogas-Tankstelle als erste in ganz Deutschland eröffnet. Für dieses Pilotprojekt erhielt die RWG Jameln 2008 den Innovationspreis der deutschen Gasindustrie.

Günstige Wärme

So angespornt suchten die Jamelner nach weiteren Nutzungsmöglichkeiten und kamen auf die zentrale Idee des Bioenergiedorfes: Damit die Abwärme des BHKWs nicht ungenutzt verpufft, wurden Nahwärmenetze gebaut. Seit dem Jahre 2005 versorgt die Raiffeisen-Warengenossenschaft Jameln die eigenen Geschäftsräume mit der Wärme aus der Biogasanlage. Zwei Jahre später wurde der Kulturverein Platenlaase mit seinem Café Grenzbereiche auf diese günstige Wärme aufmerksam. Das kleine Dorf  liegt nur 325 Meter Luftlinie von der Biogasanlage entfernt und so realisierte der Kulturverein ein Wärmenetz für seine 754 Quadratmeter großen Räumlichkeiten sowie für sechs weitere Häuser. Drei Jahre später entstand ein zweites Netz, das Häuser in Jameln mit Nahwärme versorgt. Ein weiterer Ausbau ist in Planung. So wurde aus Jameln ein Bioenergiedorf.

Der Schneeballeffekt von der ersten Biogasanlage bis hin zur Tankstelle hat viele Menschen in Jameln von der günstigen und ökologischen Alternative überzeugt. Allein im ersten Betriebsjahr der Biogastankstelle registrierte das EU-Projekt „GasHighWay“ 100 Fahrzeuge, die regelmäßig dort tankten. Heute hat sich diese Zahl in der Region bereits verdreifacht. Jameln entwickelte sich zum Vorbild für weitere Biogastankstellen in der Region, die gebaut wurden oder in Planung sind.

Text: Claudia Wesch
Fotos: Christian Nowak

Partner & Organisationen

Downloads

Regionskarte mit Standorten der Biogasanlagen