Alternative Energiepflanzen
Der aktuelle Biogasstammtisch mit anschließender Exkursion widmete sich dem Thema alternativer Energiepflanzen.
Als Expertin eingeladen war Petra Bernardy vom Projektbüro dziewiaty+bernardy. Das Projektbüro führt seit dem Jahr 2008 im Auftrag des Bundesumweltministeriums, in Zusammenarbeit mit Landwirten, Anbauversuche zu alternativen Energiepflanzen durch. Die Kulturen werden naturschutzfachlich anhand der Feldvögel bewertet, denn diese sind gute Indikatoren für den Zustand der Landschaft. Frau Bernardy stellte im Rahmen eines Fachvortrags einige Ergebnisse vor und ging auf die Problematik des Energiepflanzenanbaus und die Auswirkungen auf die Artenvielfalt ein.
Ein zentrales Problem, das im Vortrag hervorgehoben wurde, ist die Konzentration des Energiepflanzenanbaus auf wenige Kulturen - in der Regel ist dies Mais - sowie eine Vereinheitlichung der Flächennutzung auf großen Bewirtschaftungseinheiten. Winter- und Sommergetreide, die klassischen Kulturen der Agrarlandschaft, werden zunehmend durch Mais und Hackfrüchte verdrängt. Viele Tier und Pflanzenarten sind jedoch gerade auf das Vorhandensein dieser Kulturen angewiesen. Weiteres Konfliktpotential bieten veränderte Nutzungspraktiken, wie die Ernte von Wintergetreide im Mai. Diese Ernte findet genau zur Brut- und Setzzeit vieler Feldtiere statt und führt zu Verlusten bei Vögeln und Wild.
In der Diskussion wurde noch einmal deutlich herausgestellt, dass diese Problematik keineswegs ausschließlich die Biogasanlagenbetreiber angeht, sondern die strukturellen Veränderungen die gesamte Landwirtschaft betreffen. Der Anteil von Energiemais im Landkreis ist mit unter 16% nach wie vor vergleichsweise gering, dennoch wirken sich auch lokal begrenzte Veränderungen zum Teil schwerwiegend auf die Lebensräume der Arten aus, insbesondere, weil es sich bei diesen um in ihrer Struktur für den Naturschutz sehr hochwertige und sensible Flächen handelt, die durch ihre Seltenheit an Bedeutung zunehmen. So ist der Schutz des in der Region noch regelmäßig zu findenden Ortolans, einer gefährdeten Singvogelart, europaweit von Bedeutung.
Aus Sicht des Naturschutzes ist es daher zwingend notwendig, die Produktionsfläche für Biogasanlagen mit in den Blick der zukünftigen Entwicklung zu nehmen und durch gezielte Anlage von ökologischen Ausgleichsflächen den Erhalt der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft zu unterstützen. Bisher wurde dieses Ziel, das in der Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland festgeschrieben ist, weit verfehlt. Eine Möglichkeit, die Veränderungen der Flächen positiv zu beeinflussen, sind Anbauversuche mit alternativen Energiepflanzen. In den Untersuchungen des Projektbüros dziewiaty+bernardy wiesen neben Brachen vor allem Gemenge wie Wintererbsen/Triticale und Winterwicke/Roggen, die erst ab Anfang Juli geerntet, werden sowie Dauerkulturen wie Durchwachsene Silphie oder Topinambur die höchsten Wertigkeit auf. Bei der Feldbesichtigung konnten diese Kulturen besichtigt und praktische Fragen des Anbaus, der Ernte und der Energienutzung erörtert werden. Die Landwirte und Vertreter der Kommune zeigten sich beeindruckt von den Möglichkeiten und dem Engagement in der Region, es zeigte sich aber auch, dass weitere Anstrengungen nötig sind, um diese Kulturen auch für die energetische Nutzung zu optimieren. Eine vielleicht aussichtsreiche Möglichkeit ist eine Doppelnutzung der Kulturen, indem die Früchte geerntet und die übrigen Pflanzenteile der energetischen Nutzung zugeführt werden.
Für den Ausklang des Abends sorgte ein beteiligter Landwirt aus dem Bioenergiedorf Volkfien. Im Feuerwehrhaus, das von den Dorfbewohnern in Eigenregie zum Veranstaltungsraum ausgebaut wurde, konnten letzte Infos zum Thema bei kühlen Getränken ausgetauscht werden. Herzlichen Dank!
Fotos v.l.n.r: Wickroggen, Feldblick Volkfien, Silhpie, Topinambur, Wickroggen, Wickroggen













