„Biomassehof – eine Chance zur effizienten Nutzung und Verwendung von Holz aus unserer Region?“
„Biomassehof – eine Chance zur effizienten Nutzung und Verwendung von Holz aus unserer Region?“ – diesem Thema widmete sich ein Fachworkshop in der Akademie für erneuerbare Energien in Lüchow am 11. Januar 2012.
Die Bioenergie-Region Wendland-Elbetal hatte dazu eingeladen, nachdem in den vorangegangenen Monaten Interesse seitens regionaler Unternehmen und potenzieller Investoren aus der Region signalisiert worden war, sich mit diesem Thema zu befassen.
Vertreter der an der Bioenergie-Region beteiligten Landkreise, Samtgemeinde- und Gemeinde-Bürgermeister, Entscheider aus Forstämtern und Forstbetriebsgemeinschaften, Waldbesitzer sowie Unternehmer und Landwirte waren gekommen, um sich zu informieren und auszutauschen. Mit 25 Teilnehmern war der Fachworkshop sehr gut besucht, und das interessierte Publikum macht die Veranstaltung mit fachkundigen Fragen und zielführenden Hinweisen zum Erfolg.
Nach einer kurzen Einführung in die Aktivitäten der Bioenergie-Region im Rahmen der Kampagne „heizen mit Holz – Wärme aus der Region“ durch Dorothea Angel, Regionalmanagerin, erfuhren die Teilnehmer Wissenswertes zur Entstehung des Begriffs „Nachhaltigkeit“, wie viel Holz in einer Sekunde nachwächst – da war von Entfernungen bis zum Mond die Rede… - und wie der Zuwachs erfasst wird.
Ulrich von Mirbach, Förster im Gräflichen Forst Gartow, schöpfte aus seiner Fachkenntnis und mittlerweile 20-jährigen Erfahrung. Jobst Kühn von Burgsdorff, BIOCEN GmbH, stellt die Planungen zum Biomassehof in Gartow vor. Für ein neues Wärmenetz sollen eigens eine Heizungsanlage auf Basis von Holzhackschnitzeln und dazu ein Biomassehof errichtet werden, auf dem das Material aufbereitet und ganzjährig gelagert wird, so dass der zwischen den Jahreszeiten stark schwankende Bedarf stets vorgehalten werden kann.
Hauke Mertens, Geschäftsführer des Maschinenrings, stellte darauf die Überlegungen zu einem Biomassehof in Lüchow vor, bei dem an den bisherigen Markterfahrungen mit Grüngut angesetzt und zukünftig verschiedene Produkte wie Holzhackschnitzel oder Pellets angeboten werden sollen.
Ein GIS-basiertes Modell zur Standortbestimmung für Biomassehöfe, entwickelt an der TH Wildau und erstmalig angewandt in der Bioenergie-Region Märkisch-Oderland, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Mareike Schultze stellt dar, wie mit diesem Modell einerseits für eine Region optimale Standorte für einen Biomassehof identifiziert werden können. Auf der anderen Seite ist es möglich, für einen bereits eingegrenzten Standort für den Betrieb relevante Faktoren zu ermitteln und in die Planung einzubeziehen. Das Modell wurde sehr positiv bewertet, Bedenken wurden hinsichtlich der Kosten einer Anwendung für die Modellregion Wendland-Elbetal geäußert, und hinsichtlich einer Übernutzung der heimischen Holzbestände insgesamt. Diese Bedenken konnten jedoch im Folgenden teilweise ausgeräumt werden.
Aus den Vorträgen und in der Diskussion wurde deutlich, dass die Erfassung des Zuwachses und des verfügbaren Potenzials an Holz in Niedersachsen insgesamt sehr gut ist, durch den hohen Organisationsgrad der Privatwaldbesitzer auch in diesem kleinteilig strukturierten Bereich. Demnach sind ausreichende Ressourcen an Holz zur Nutzung vorhanden, jedoch führt die steigende Nutzungskonkurrenz mit der Werkstoffindustrie zur steten Preiserhöhung, die der regionalen Nutzung heimischer Ressourcen in Teilen zuwiderläuft. Ein sachdienlicher Hinweis war, dass diese Nutzungskonkurrenz sich nicht auf Holzhackschnitzel bezieht, die im besten Fall aus Rest- und Landschaftspflegeholz gewonnen wird. Somit sei die Nutzung von Hackschnitzeln und die Beschickung von Wärmenetzen mit Energie aus Holzhackschnitzelanlagen von diesem Problem ausgenommen. Einigkeit besteht ohnehin darin, dass es nicht vorrangiges Ziel der energetischen Nutzung ist, immer mehr Holz zu verbrauchen, sondern die bestehenden Ressourcen mehr innerhalb der Region zu nutzen und so Wertschöpfung durch Ersatz fossiler Importe zu schaffen, Transport- und Nutzungswege zu minimieren und durch Kooperation zu effektiveren Lösungen zu kommen. Gleichzeitig kann durch die Verbesserung der Nutzungseffizienz viel erreicht werden. Potenziale werden in der hohen Zahl von Privathaushalten gesehen, die zusätzlich zu einer mit fossilen Brennstoffen betriebenen Hauptheizung einen Kaminofen oder offenen Kamin nutzen, oder mehrere Öfen oder Brennstellen betreiben. Die Bioenergie-Region belohnt Privathausbesitzer für den Austausch solcher Heizungen durch eine effektive zentrale Heizungsanlage auf Basis von Holz mit einem Zuschuss für die Brennstofflieferung.
Ein wesentliches Fazit ist, dass ein Biomassehof nicht nur als Investorenprojekt gesehen werden kann, sondern einer gefestigten Grundlage in Form von vertrauensvoller Kooperation und langfristiger Planungssicherheit bei der Beschaffung der Biomasse, Logistik und Absatzmarkt bedarf. Dies sind auch die Erfahrungen aus dem Land Brandenburg, auf die Frau Schultze ausdrücklich hinwies. Somit ergeben sich für die Umsetzung eines solchen Vorhabens Notwendigkeiten und Voraussetzungen von zum Teil übergeordneter Bedeutung für die Region, die im Vorfeld, mit Unterstützung und Zustimmung der Kommunen, gemeinsam zu klären sind. Nur so können auch Verdrängungs- und Verlagerungseffekte vermieden werden, die aus wirtschaftlichen Erwägungen stattfinden, aber keinen Mehrwert für die Region bringen. Die Teilnehmer wurden aufgefordert, weiteren Bedarf an Austausch oder fachlicher Information an die Geschäftsstelle der Bioenergie-Region zu übermitteln, die diesen gern aufnimmt.
10 Teilnehmer äußerten spontan ihr Interesse an einer Exkursion zum Biomassehof Borlinghausen, einem Vorzeigeprojekt im Landkreis Höxter. Diese soll im April 2012 stattfinden, sofern sich eine ausreichend große Gruppe zusammenfindet.
Wenn auch Sie Interesse an der Exkursion haben kontaktieren Sie uns gerne!









